Lizas Logbuch |
Das Tumblelog von Lizas Welt |
Inmitten des ganzen deutschen „Zartgefühls für einen Massenmörder“ (Clemens Wergin) findet sich im Netz auch die eine oder andere publizistische Perle zum Ableben Osama bin Ladens respektive zu den deutschen Reaktionen darauf. Eine davon hat die Münchner Bloggerin Jennifer Nathalie Pyka produziert, und zwar in Form eines offenen Briefes an den US-Präsidenten. Ein Auszug:
„Wir Deutsche“ lieben Gesetze, v.a. solche, die ihr ständig brecht! Selbst der regelmäßige Stammtischbesucher, der „Richter Hold“ für ein exaktes Abbild der Realität hält und natürlich über kein Staatsexamen in Jura verfügt, unterlegt seine Ansprachen dieser Tage mit ein paar ausgewählten Artikeln und Paragraphen des Völkerrechts. Aber davon habt ihr Deppen natürlich keine Ahnung. Den armen Kerl einfach so abknallen – pfui! Auge um Auge, Zahn und Zahn - das halten „wir“ zwar in jedem Nachbarschaftsstreit um aufgeschlitzte Autoreifen und geschändete Gartenzwerge für äußerst angemessen, aber sobald es um Massenmord geht, finden „wir“ das absolut primitiv. Hierzulande regelt man solche Dinge nämlich für gewöhnlich im Rahmen eines Dialogs. Der darf dann auch gerne mal sowohl „kritisch“ als auch „friedlich“ sein oder sich zwischen „Religionen“, „Kulturen“ und „Generationen“ abspielen. Richtig wäre es demnach, zunächst im Garten einen Stuhlkreis zu errichten, danach bei Bin Laden zu klingeln und ihn höflich zum Dialog zu bitten. Zudem würden „wir“ uns zuvor mit Amnesty International absprechen, um im Rahmen der Operation Menschenrechtsverletzungen jeglicher Art ausschließen zu können. Jawohl, auch Terroristen haben Rechte! Ideal wäre zudem die Anwesenheit eines kompetenten Psychologen-Teams, welches sich eingehend mit dem Terrorfürst selbst, seiner Kindheit und der Frage „Wie konnte es soweit kommen?“ beschäftigt. Zur Krönung würde dann Margot Käßmann aus der Bibel vorlesen und christliche Primärtugenden predigen, wonach z.B. vergeben auch gütiger als vergelten ist. Du findest das jetzt möglicherweise befremdlich (ich auch!), aber in Deutschland ist es durchaus üblich, sich intensiver mit Tätern als mit Opfern zu beschäftigen. Also, Mister President: Wenn’s mal wieder so weit sein sollte, dann melde dich doch bitte bei „uns“! „Wir“ schicken dir gerne umgehend tatkräftige Unterstützung vorbei, z.B. Claudia Roth (Expertin im Umgang mit Diktatoren), Kurt Beck („Wir müssen auch mit den Taliban verhandeln!“) oder Inge Höger (Anwältin der Menschenrechtsorganisation Hamas).
Ein formidables, brillantes Stück, das hiermit zur Lektüre unbedingt empfohlen sei.
5. Mai 2011