Lizas Logbuch |
Das Tumblelog von Lizas Welt |
Seit Jahren nenne ich einen veritablen Spleen mein Eigen, der mir schon so manches Mal irritierte Blicke, ungläubiges Kopfschütteln und besorgte Nachfragen eingetragen hat: Ich münze, was irgendwo geschrieben steht, oft und gerne in Fußballgesänge und -parolen um. Das können beispielsweise Überschriften in Zeitungen sein, Hinweisschilder und T-Shirt-Aufdrucke, aber auch Einträge in Speisekarten. Zu meinen Zeiten als Student hatten ein Freund – der diese Macke ebenfalls hegte und pflegte – und ich uns es sogar zur Angewohnheit gemacht, beim täglichen Mensagang kurz vor der Tafel, auf der die Menüs niedergeschrieben waren, zu verharren und die Namen der jeweiligen Gerichte vernehmlich zu intonieren. „Sechserlei Getreide“ etwa passte mit ein wenig Rhythmusgefühl perfekt zur Melodie von „Guantanamera“, und „Schnitzel mit Kartoffeln“ ließ sich problemlos zu den Klängen von „Vamos a la playa“ schmettern. Auch den allgemeinen Niedergang der Esskultur prangerten wir leidenschaftlich an, indem wir beispielsweise den Milchreis zur Tonfolge von „Flipper“ inbrünstig der Zweitklassigkeit ziehen.
Bis gestern bin ich davon ausgegangen, dass es nicht allzu viele Menschen gibt, die diesem Quatschkram etwas abgewinnen können oder ihn gar aktiv betreiben. Dann jedoch berichtete mir der Kollege Tommy Johnson – nach dem gemeinsam besuchten Kick zwischen Bayer 04 Leverkusen und Werder Bremen, in einer Kölner Pizzeria sitzend –, dass die Zeitschrift 11 Freunde darauf einen ganzen Werbespot aufgebaut hat. Diese Perle scheint es schon recht lange zu geben, allerdings ist sie mir bislang unverzeihlicherweise verborgen geblieben. Umso dankbarer bin ich jetzt – zumal ich ab sofort darauf verweisen kann, dass man andernorts nicht einmal zögert, mit diesem Spleen auf Abonnentenfang zu gehen.
15. August 2011