Lizas Logbuch |
Das Tumblelog von Lizas Welt |
Es ist ja nicht wahr, dass sich niemand um die Palästinenser schert, auch wenn sie selbst (und ihre vermeintlichen Freunde) pausenlos das Gegenteil behaupten. Im Gegenteil: Sie sind die Hätschelkinder der Vereinten Nationen und haben sogar – als Einzige – ihre eigene Uno-Flüchtlingshilfsorganisation, nämlich die UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, zu Deutsch: Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten). Deren Hauptsitz befindet sich seit 1996 in Gaza; weitere Büros gibt es in Jordanien, Syrien, dem Libanon und dem Westjordanland, dort also, wo die Flüchtlinge respektive ihre Nachkommen ansässig sind. Insgesamt beschäftigt die UNRWA fast 30.000 Mitarbeiter, die Mehrzahl davon sind Palästinenser.
Halbjährlich veröffentlicht das Hilfswerk statistisches Material, aus dem unter anderem hervorgeht, wie viele Palästinenser bei ihm insgesamt als Flüchtlinge registriert sind. Am 1. Januar 2010 waren es rund 4,8 Millionen, 1950 betrug die Zahl 914.221. In den letzten 60 Jahren wären demnach fast vier Millionen Flüchtlinge hinzugekommen. Das ist natürlich Unsinn; vielmehr handelt es sich bei diesen Menschen um die Kinder und Kindeskinder der Emigranten von 1948. (Ja, Emigranten – denn längst nicht alle wurden aus Israel verjagt; etliche verließen beispielsweise deshalb das Land, weil sie von den arabischen Staaten dazu aufgefordert worden waren. Die arabischen Armeen wollten freie Bahn für ihren antijüdischen Krieg haben und versprachen den Auswanderern eine triumphale Rückkehr im Anschluss an die Zerstörung Israels. Sie verloren den Krieg; seitdem leben die Palästinenser als Manövriermasse in „Flüchtlingslagern“, und keiner dieser Staaten gewährt ihnen die Staatsbürgerschaft.)
Der Flüchtlingsstatus vererbt sich also, und wenn die Palästinensische Autonomiebehörde in den Verhandlungen mit der israelischen Regierung regelmäßig auf dem „Recht der Flüchtlinge auf Rückkehr“ beharrt (nach Israel, wohlgemerkt!), kann man sich ganz gut vorstellen, wie hier mit der Demografie politische Tatsachen geschaffen werden sollen: Je mehr Kinder, desto mehr Flüchtlinge, die in den jüdischen Staat „zurückkehren“ sollen (in dem sie ja nie gelebt haben) – so lange, bis die Juden in Israel eine Minderheit sind und dadurch, wie vor 1948 weltweit, wieder auf das Gutdünken der Mehrheit angewiesen wären. Dass keine israelische Regierung dieses „Rückkehrrecht“ akzeptieren kann – zumal vor dem Hintergrund unaufhörlicher Vernichtungsdrohungen –, versteht sich deshalb wohl von selbst.
Die so genannten Flüchtlingslager in den arabischen Staaten sind übrigens mitnichten Wellblechhütten ohne Strom und fließendes Wasser, sondern ganz überwiegend völlig normale Wohneinheiten. Wie sie aussehen und wie es dort zugeht, hat die amerikanische Schriftstellerin Martha Gellhorn schon 1961 in einem formidablen Reisebericht festgehalten, der in The Atlantic erschien. Der Text ist zwar sehr lang – aber die Lektüre lohnt sich unbedingt.
13. Juli 2010